Judo Grifftechniken ( Katame-Waza)


Im Allgemeinen sind damit sämtliche Judo-Bodentechniken gemeint. Da jedoch einige der Techniken auch im Stand angewendet werden können, scheint der Begriff "Grifftechniken" zur Beschreibung besser geeignet. Ungeachtet dessen wird hier trotzdem von Bodentechniken ( Ne-Waza ) gesprochen, da dies verständlicher und auch das Haupteinsatzgebiet dieser Techniken ist.

Die Einteilung der Grifftechniken

Es werden drei große Gruppen von Grifftechniken unterschieden. Dies sind
  1. Festhaltegriffe ( Osae-Komi-Waza )
  2. Würgegriffe ( Shime-Waza )
  3. Hebelgriffe ( Kansetsu-Waza )
Die genauere Klassifizierung der Gruppen ist sehr schwierig, da je nach System ( Kadokan, Kawaishi ) und Betrachtungsweise mehrere Möglichkeiten in Betracht kommen. So werden die Techniken ( und deren Namen ) unterschieden durch das Prinzip, die Angriffsrichtung, Position von Uke und Tori, Stellung von Uke und Tori, usw..

Festhaltegriffe ( Osae-Komi-Waza )

Als Festhaltegriffe werden alle Griffe bezeichnet, bei denen der Gegner in seiner Aktionsfreiheit weitgehend eingeschränkt ist. Er muß dazu eine je nach Wertung vorgegebene Zeit in der Rückenlage fixiert werden. Es darf dem Gegner nicht möglich sein seine Schultern mehr als 90° zum Boden zu verdrehen oder die Beine von Tori zu umklammern. Unterschieden werden können die Techniken auf folgende Weise :
  1. durch die Position von Tori zu Uke
  2. durch die Position von Tori
  3. Was fixiert wird

NamePosition Ukes zu ToriPostion von ToriFixierung
Kesa-gatameSeiteSeiteSchulter
Makura-kesa-gatameSeiteSeiteSchulter
Kuzure-kesa-gatameSeiteSeiteSchulter
Kashira-gatameSeiteSeiteSchulter
Ushiro-kesa-gatameSeiteSeiteSchulter
Gyaku-kesa-gatameSeite??
Uki-GatameSeite??
Kata-gatameSeiteSeiteSchulter
Yoko-shiho-gatameSeiteBauchSchulter und Hüfte
Ushiro-Yoko-shiho-gatameSeiteRückenSchulter und Bein
Kuzure-yoko-shiho-gatameSeiteBauchSchulter und Oberschenkel
Kata-osae-gatameSeiteBauchSchulter
Mune-gatameSeiteBauchSchulter
Kami-shiho-gatameKopfBauchSchulter
Kuzure-kami-shiho-gatameKopfBauchSchulter
Ura-kami-shiho-gatameKopfBauchSchulter
Kami-sankaku-gatameReitsitzBauchSchulter und Hüfte
Tate-shiho-gatameReitsitzBauchSchulter und Beine
Kuzure-tate-shiho-gatame???
Tate-sankaku-gatameKopfBauchSchulter

Würgegriffe ( Shime-Waza )

Als Würgegriffe werden alle Griffe bezeichnet die sich entweder gegen die Halsschlagadern oder gegen die Halsvorderseite ( Kehlkopf ) richten. Durch die kurze Griffvorbereitung und die schnell einsetzende Wirkung ( physiologischer und psychologischer Art ) ist ein schneller Sieg selbst gegen körperlich überlegene Gegner möglich. Die Wirkung einer Würge hängt im Wesentlichen vom Angriffsziel ab. Bei Druck auf die Halsschlagadern kommt es zu einer Unterbrechung der Blutzirkulation im Kopf. Als Folge tritt nach 8-14 Sekunden Bewußtlosigkeit ein, wobei jedoch bei sofortigem Grifflösen Uke nach 10 bis 20 Sekunden das Bewußtsein wiedererlangt. Diese Würgemethode ist entgegen weitläufiger Ansicht für den Sportler ungefährlich und kaum schmerzhaft. Bei der zweiten Würgeart ( dem Angriff auf die Halsvorderseite ) werden die für die Atmung ( etc. ) verantwortlichen Nerven ( Nervenenden und periphere Verzweigungen des Sympathikus ) angegriffen. Dadurch werden reflektorische Angstzustände ( Panik ), sowie Würge- und Atmungsreize ausgelöst, die den Gewürgten zur Aufgabe zwingen. Eine Bewußtlosigkeit ergibt sich bei dieser Würgeart äußerst selten. Die noch weit verbreitete Meinung, daß bei dieser Art des Würgens die Luftröhre zusammengedrückt und dadurch die Atmung unterbrochen wird, ist anhand der bestehenden anatomischen Gegebenheiten des Halses nicht haltbar. Wichtig bei allen Würgen ist es, die Druckfläche so klein wie möglich zu halten ( P = F / A ), also mit den Armkanten und nicht mit Armober- oder -unterseite zu würgen. Auch bei den Würgen gibt es mehrere Klassifizierungsarten :
  1. Position von Tori zu Uke und der Jackeneinsatz
  2. Würgeprinzip
  3. Kraftübertragung durch die Arme mit
  4. Würgerichtung und Art

NamePositionWürgeprinzipKraftübertragung
Kata-Juji-Jimevon vornHalsvorderseiteeinseitig scheren
Giaku-Juji-Jimevon vornkombinierte Wirkungzweiseitig scheren und knebeln
Nami-Juji-Jimevon vornHalsschlagaderzweiseitig scheren
Tsukkomi-Jimevon vornHalsvorderseiteumschlingen
Ebi-Jimevon vornHalsvorderseiteeinseitig scheren
Kataha-Jimevon vorn ( >-oo-< )Halsvorderseitezweiseitig scheren
Kagato-Jimevon vornHalsvorderseitescheren mit Fuß
Hidari-Ashi-Jimevon vornHalsvorderseiteeinseitig scheren
Kami-Shiho-Jimevon vorn ( >-oo-< )Halsvorderseitezweiseitig scheren
Kami-Shiho-Ashi-Jimevon vorn ( >-oo-< )Halsvorderseiteeinseitig scheren
Sankaku-Jimevon vornHalsvorderseite??? ( quetschen )
Hadaka-Jimevon hintenHalsvorderseiteeinseitig scheren und ziehen
Ushiro-Jimevon hintenHalsvorderseiteeinseitig scheren und ziehen
Kataha-Jimevon hintenHalsvorderseiteeinseitig scheren
Giaku-Kataha-Jimevon hinten ( >-oo-< )Halsvorderseiteeinseitig scheren
Sode-Gurumavon hintenHalsvorderseitezweiseitig scheren
Okuri-Eri-Jimevon hintenHalsvorderseiteeinseitig scheren
Giaku-Okuri-Eri-Jimevon hinten ( >-oo-< )Halsvorderseiteeinseitig scheren
Hasami-Jimevon hintenHalsvorderseiteeinseitig scheren
Taware-Jimevon vornHalsschlagadernknebeln und zweiseitig scheren
Jigoku-Jimevon hintenHalsvorderseiteumschlingen
Othen-Jimevon hintenHalsschlagadernumschlingen
Kaeshi-Jimevon vornHalsvorderseiteeinseitig scheren
Giaku-Gaeshi-Jimevon vornHalsvorderseiteeinseitig scheren
Tomoe-Jimevon vorn ( im Stand )kombinierte Wirkungeinseitig scheren und umschlingen
Morote-Jimevon vorn ( im Stand )Halsschlagaderknebeln
Eri-Jimevon vorn ( im Stand )halsschlagadernpressen

Hebeltechniken ( Kansetzu - Waza )

Als Hebeltechniken werden alle Griffe bezeichnet, bei denen Gelenke über ihre natürliche Beweglichkeit hinaus belastet werden. Als Folge davon treten Schmerzen auf, die den Gegner zur Aufgabe zwingen. Wird die Krafteinwirkung über diese Schmerzgrenze hinaus fortgesetzt, kann es zu Gelenk- oder Knochenverletzungen kommen. Aus diesem Grunde sollte der Judoka bei diesen Techniken rechtzeitig abklopfen. Im normalen Wettkampfjudo dürfen Hebel nur am Ellenbogengelenk angesetzt werden ( Ude - Kansetzu - Waza ), wobei jedoch auch Nebenwirkungen auf das Schultergelenk nicht ausgeschlossen werden können. Die Einschränkung auf das Ellenbogengelenk erfolgte, weil die Armmuskeln relativ gut Widerstand leisten können und der Schmerz sehr früh einsetzt. Damit ist Uke in der Lage, das Signal zur Aufgabe rechtzeitig zu geben. Grundsätzlich werden die Hebeltechniken am Ellenbogengelenk in zwei große Gruppen eingeteilt.
Die Überstrecktechniken werden dabei wesentlich häufiger angewandt. Bei ihnen sollte die Kraft ungefähr in Richtung des Handrückens bis zur Handunterkante wirken und der Arm Ukes möglichst senkrecht von seinem Körper wegzeigen. Der Ansatz der Techniken spielt hier eine wesentliche Rolle, da Uke sehr gut und einfach Widerstand leisten kann. Bei der Griffvollstreckung sollte darauf geachtet werden, daß die Hebelverhältnisse ausgenutzt werden ( Angriffspunkt in der Nähe von Ukes Hand ).
Bei den Schlüsseltechniken wird Ukes ( nach Möglichkeit rechtwinklig ) gebeugter Arm verdreht. Dabei wird durch die große Hebellänge und die ungünstigen physiologischen Verhältnisse schon bei geringster Krafteinwirkung größte Wirkung erzielt. Grundsätzlich muß Uke dabei so blockiert werden, daß ein Mitdrehen des Körpers in die Kraftrichtung nicht möglich ist.

Armschlüssel ( Ude-Garami-Waza )

NamePosition von Tori zu UkeHebelpunkt bei Tori
Ude-GaramiquerUnterarm
Kesa-GaramiseiteOberschenkel
Kuzure-Kami-Shiho-Garamiquer mit den Füßen auf UkeUnterarm
Giaku-Kesa-GaramiUnterlageUnterschenkel

Armhebel ( Ude-Hishigi-Waza )

NamePosition von Tori zu UkeHebelpunkt bei Tori
Kesa-Ude-HishigiSeiteOberschenkel
Ude-Hishigi-Juji-GatamequerHüfte
Kami-Ude-Hishigi-Juji-GatamequerHüfte
Ude-Hishigiquer mit dem Kopf über UkeHände
Yoko-Ude-HishigiseitwärtsOberschenkel
Yoko-Hiza-GatameOberlageHüfte
Kami-Hiza-atameOberlageOberschenkel
Mune-GyakuquerHände
Kiaku-JujiUnterlageOberschenkel
Ude-Hishigi-HenkawazaUnterlageHände
Hiza-GatameUnterlagebeide Knien
Ude-GatameUnterlage (quer)Hände
Hara-GatamenebenHände
Ashi-GatamenebenOberschenkel
Othen-GatamequerHüfte
Ude-Hishigi-Hara-GatameOberlage, Uke auf dem BauchHüfte
Ude-Hishigi-Hiza-Gatameseitwärts, Uke auf dem BauchOberschenkel
Hiza-Makikomineben Uke im StandHände
Kanuki-GatameOberlageEllenbogen
Waki-Gatameseitwärts, Uke auf dem BauchAchselhöhle
Sankaku-Ude-KansetsuUnterlageHüfte