Kurzkata im Judo

Einleitung

Seit der letzten Änderung der Prüfungsordnung des DJB tauchen im Kyu-Ausbildungsprogramm auch die Mini- oder Kurzkatas auf. Ab dem 5. Kyu muß jeder Judoka über 14 Jahre außer dem Pflichtteil noch einen von 4 Wahlteilen vorzeigen. Er kann sich also zwischen
  1. zusätzlichen Wurftechniken + Komplexaufgabe
  2. judobezogender Selbstverteidigung
  3. Judo Sportabzeichen und
  4. Mini Kata
entscheiden.

Was sind den nun Kurzkata's ?

Offiziell im Kyuprogramm steht folgendes :
Kurzkatas sind kurze, fest vorgegebene Handlungsabläufe mit mindestens 8 Techniken. Von diesen sollen mindestens 3 in der entsprechenden Gürtelstufe aufgeführt sein.
Soweit der kurz und knapp gehaltene offizielle Tenor.
Um zu konkreteren Erkenntnissen über dieses Thema zu kommen, fand in der Judo-Sommerschule Lindow ein Workshop zu dieser Aufgabenstellung statt. Die Vorstellungen und Erfahrungen, die dabei angesprochen und in einer zum Teil recht heftigen Diskussion gewonnen wurden, möchte ich hier kurz darlegen.

Workshop Kurzkatas

Aufgaben und Probleme traditioneller Katas

Traditionelle Katas sind aus der geschichtlichen Entwicklung heraus entstandene, fest vorgegebene Technikfolgen. Alle wichtigen Details wie Zeremoniell, Bewegungsabläufe, Techniken und deren Ausführung, Rolle von Uke und Tori sind starr festgelegt. Sämtliche Aktionen erfolgen statisch, also weit entfernt von realen Kampfsituationen und ohne Gegenwehr von Uke. Die Aufgabe der traditionellen Kata ist es, den Lernenden die Prinzipien der Techniken zu verinnerlichen, die Ausführung derselben zur Perfektion zu bringen, die Würde und Konzentrationsfähigkeit auszudrücken und das Zusammenspiel der Partner zu verdeutlichen. Dabei spielen historische Aspekte in den einzelnen Katas eine große Rolle ( z.B. Sumi Gaeshi = Agieren in Ritterrüstung ). Leider fühlen sich relativ wenige Judoka ( vor allem Jugendliche ) von diesem Teil des Judosportes angezogen. Ein Grund dafür ist, daß die Katas relativ wettkampffern sind, sich mit dieser Form des Trainings also recht wenig "Punkte" machen lassen. Ein weiteres Unbill der Katas sind die in ihrer Ausführung fest vorgegebenen Techniken. Einige sind in der Kata Form heute nicht mehr gebräuchlich, was dazu führt, daß der Lernende diese "neu" lernen muß. Damit fordern Katas einen hohen Lernaufwand und hohe Konzentrationsfähigkeit, was natürlich zu Einbußen im restlichen Trainingsprogramm führt. Ein Judoka aus dem Breitensport, der nur ein oder zweimal in der Woche trainiert, erreicht dabei sehr schnell seine Grenzen.

Kurzkatas als Gegenstück

Um die aufgezeigten Probleme der Katas zu lösen und so deren Attraktivität zu erhöhen gibt es verschiedene Ansätze. So ist zum Beispiel in der Schweiz ein weit stärkerer Zuspruch zu verzeichnen, da dort Kata-Meisterschaften/Turniere durchgeführt werden. Dadurch wird die Kata auch als Wettkampfform wieder interessant. Dies führt jedoch zu einer unerwünschten Spezialisierung der Judoka. Ein anderer Gedanke ist die Ausarbeitung von neuen Katas die an das heutige Judo und an dessen Breitensportcharakter angepasst sind. Diese müssen natürlich den Grundgedanken der Katas weiterhin beinhalten. Sie sollen, wie die traditionellen Katas auch, zu einer technischen und geistigen Vervollkommnung beitragen.

Praktische Ausführung der Kurzkatas

Die Kurzkata ist besonders als Kata für den Breitensport gedacht und muß dem natürlich Rechnung tragen. Für Judoka besonders interressant ist, daß die Kurzkatas von jedem selbst ( natürlich unter Anleitung des Trainers ) zusammengestellt werden können. Die sonst starr vorgeführten Katas können durch die Kreativität und die Mitbestimmung jedes Einzelnen entsprechend den Fähigkeiten des Schülers zusammengestellt werden. Das Ziel ist eine Belebung und Ergänzung des Trainings, die Entwicklung der Selbstständigkeit und des Einfallsreichtums der Schüler, eine Vervollkommnung der Techniken ( jedoch abgestimmt auf das jeweilige Übungsniveau ), die Entwicklung des Verständnisses für die Techniken ( Wurfprinzipien etc. ), die Möglichkeit eines vom Wettkampf und den Gewichtsklassen unabhängigen Leistungsvergleiches, sowie eine Herausbildung der traditionellen geistigen Werte wie Konzentrationsfähigkeit, Eifer, Einbezug des Partners ...
Die Kurzkata soll mindestens 8 Techniken enthalten, davon 3 aus der jeweiligen Gürtelstufe. Sie soll ( fertig ausgearbeitet ) in 1-2 Trainigseinheiten erlernbar sein. Um dies zu gewährleisten sollten Techniken ausgewählt werden, die dem Schüler schon bekannt sind und von ihm auch verwendet werden. Das Zeremoniell soll sich nicht wesentlich von dem traditioneller Katas unterscheiden. Dies dient vor allem dazu, die Katas von Komplexaufgaben und Uchi-Komi-Geiko zu unterscheiden und dies reproduzierbar zu machen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei jedoch eindeutig auf der technischen Seite, um auch wettkampfnähere Techniken und Kampfweisen mit aufnehmen zu können.
Grundsätzliche Arbeitsschritte bei der Erstellung einer Kata sind :
  1. Wählen des Themas
  2. Techniken danach auswählen
  3. Zeremoniell und Techniken einstudieren und auf saubere Ausführung achten.
Den Themen der Kurzkatas sind dabei nur durch die Phantasie der Akteure Grenzen gesetzt. Gerade deshalb könnten sie ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Tranings, selbst unter Wettkampfbedingungen, werden. Beispiele für Themen der Kurzkatas wurden im Workshop kontrovers diskutiert. Einige davon sind Die Möglichkeiten die sich hier für Trainer und Schüler eröffnen, sollte es jedem Trainer wert sein, sich Gedanken um diese Art des Judo zu machen.


Eventuell ab November 96 soll eine Kata - Broschüre vom DJB herausgegeben werden, in der die bis jetzt gesammelten Erfahrungen und einige Beispielkatas aufgezeigt werden. Weiterhin ist bekannt, daß ein Video existiert, auf dem Beispielkatas zu sehen sind. Leider ist mir der Autor und Entwickler dieses Videos entfallen, so daß ich keine Angaben zum Erwerb eines solchen machen kann.

Um Hinweise, Erfahrungen und konstruktive Kritik wird gebeten. Mein elektronischer Briefkasten steht immer offen dafür.