Einleitung

Bei den Wurftechniken handelt es um sich Techniken, bei denen der Gegner zu Fall gebracht oder zu Boden geworfen wird. Die Wurftechniken werden in mehrere Gruppen eingeteilt je nach dem, wie und womit der Gegner zu Fall gebracht wird. Bei allen Techniken sollten die Prinzipien des Judo nicht vernachlässigt werden ( "rationellster Einsatz der Energie" und "Nachgiebigkeit" ). Das Wichtigste ist die Ausnutzung der Situation und der Kraft des Gegners. Zu einer erfolgreichen Technik gehören deshalb immer 75% Kuzushi, 15% Tsukuri und nur 10% Kake.

Würfe aus dem Stand ( Tachi-Waza )

Schulter-, Hand-, Armwürfe ( Te-Waza )

Bei dieser Gruppe der Wurftechniken wird der Gegner mit Hilfe der Schulter, der Hand oder des Armes zu Fall gebracht. Die reinen Handwürfe ( Te-Waza ) funktionieren dabei entweder nach dem Prinzip des Kippens oder des Ziehens.
Im ersten Fall wird Uke über ein imaginäres Hindernis gekippt ( z.B. Uki-Otoshi ). Die ziehende Hand Toris führt dabei eine kreisförmige Bewegung aus. Im zweiten Fall reißen die Hände von Tori Ukes Beine vom Boden ( z.B. Sukui Nage). Bei beiden Wurfprinzipien sind die Arme bzw. die Hände der Hauptkontaktpunkt. Dies bedeutet, daß z.B. beim Tai-Otoshi das rechte Bein möglichst keinen Kontakt zum Gegner haben sollte.
Auch bei den Schulterwürfen ( Kata-Waza ) gibt es zwei verschiedene Verfahren. Das erste ist das Anheben des Gegners, wobei Tori mit seiner Schulter und seinem Rücken engen Kontakt zu Uke hat ( z.B. Seoi-Nage). Die zweite Variante ist das Drehen Ukes, wobei Toris Schulter unterhalb des Körperschwerpunktes engen Kontakt zum Oberschenkel von Uke besitzen sollte ( z.B. Kata-Guruma ).

Hüftwürfe ( Koshi-Waza )

Zu den Hüftwürfen werden alle Würfe gerechnet, bei denen im Verlauf der Wurfausführung die Kraftübertragung von Tori zu Uke über die Hüfte als Kontaktpunkt erfolgt. Die Wirkung des Wurfes hängt entscheidend davon ab, ob Tori es schafft seinen Körperschwerpunkt unter den von Uke zu bringen. Dies bedeutet, das Tori auf jeden Fall seine Knie beugen muß ! Auch bei den Hüftwürfen gibt es zwei verschiedene Wurfprinzipien. Das erste ist Anheben, das zweite ist Drehen.
Beim Anheben haben weite Teile der Hüfte und des Rückens von Tori Kontakt zum Körper von Uke. Uke wird geworfen, indem er entweder durch eine Beinstreckung ( z.B. O-Goshi ) oder durch ein Abknicken im Hüftgelenk mit dem Hintern als Hebelpunkt Uke anhebt ( DDR O-Goshi oder Utsuri-Goshi ) und über die Hüfte wirft.
Beim Prinzip des Drehens hat Toris Hüft- und Rumpfseite Kontakt zu Uke und die wurfauslösende Kraft wird durch eine Rumpf- und Schulterdrehung erzeugt. Bei diesen Würfen wird über die Hüfte, aber nicht mit der Hüfte geworfen. In diese Kategorie fallen alle Guruma Würfe aus der Koshi-Waza Gruppe.

Fuß- und Beinwürfe ( Ashi-Waza )

Zu den Fuß- und Beinwürfen werden alle Techniken gerechnet, bei denen die entscheidende Wurfarbeit durch Fuß oder Bein Tori`s erfolgt. Es werden drei verschiedene Wurfprinzipien unterschieden.
Da wäre als erstes das Fegen ( z.B. De-Ashi-Barai ), auch bekannt als Bananenschale. Diese Formulierung trifft wohl das Wurfprinzip am Besten. Im Moment, wo Uke sein Bein noch nicht, oder nicht mehr vollständig belastet setzt Tori seine Fußsohle möglichst tief am Fuß von Uke an und zieht ( nicht hacken ) diesen weg, so daß Uke "ausrutscht".
Das zweite Wurfprinzip ist das Blockieren ( z.B. Hiza-Guruma ). Dabei wird Uke daran gehindert sein Bein nach vorn oder hinten zu setzen um sein Gleichgewicht wieder zu erlangen. Toris Fuß oder Bein dient dabei als Blockier- und Drehpunkt.
Das letzte Wurfprinzip ist das Wegreißen. Dabei wird Uke ein fester Stützpunkt, also ein Standbein geraubt. Die Kraftwirkung erfolgt dabei in Richtung von Uke's Zehen. Um das Wegreißen zu erleichtern, kann Uke`s Standbein kurzfristig entlastet werden. Wie bei allen anderen Fußtechniken gilt aber auch hier, sobald der Fuß Uke`s in der Luft ist, allen Druck in Richtung des nicht mehr vorhandenen Stützpunktes verlagern.

Opferwürfe ( Sutemi-Waza )

Bei diesen Würfen gleitet Tori unter Aufgabe seines Gleichgewichtes von selbst zu Boden. Damit holt er Schwung, um diese Energie dann auf den Gegner umzuleiten und ihn so zu Fall zu bringen. Dies ist bei allen Opferwürfen der Fall und klappt vor allem dann, wenn Uke`s Krafteinsatz mit ausgenutzt wird. Am besten ist es, die Kraft von Uke entlang einer Kreisbahn weiterzuleiten. Die Unterscheidung in Würfe in der Rückenlage ( Ma-Sutemi-Waza ) und in der Seitenlage ( Yoko-Sutemi-Waza ) ist für das Wurfprinzip nebensächlich. Um hier in die Spalten doch etwas einzutragen, möchte ich die Würfe hier nach ihren Ausführungen unterscheiden. Diese wären dann Drehen, ( seitwärts ) Kippen und Anheben ( bzw. Wegreißen ), obwohl alles durch die Schwungausnutzung doch auf eine Drehbewegung hinausläuft.

Im Japanischen hat das Wort Sutemi auch die Bedeutung : "Ich setze alles auf eine Karte"

Die Standtechniken aus der Gokyo-no-kaisetsu

Vor 1982 waren die 40 Würfe der Kodokan Gokyo No Waza der Standard für Wurftechniken im Judo. Diese Zusammenstellung von Techniken wurde im Jahre 1895 von Jigoro Kano unter Mithilfe der Meister Y. Sakujiro, N. Hidekatsu und Y. Yoshiaki ausgearbeitet und am Kodokan eingeführt. Das System wurde 1920 erneut überarbeitet und bis heute fast unverändert gelehrt.
Die Techniken aus diesem System wurden eingeteilt in 5 Gruppen, die jeweils 8 Würfe enthalten. Am 100. Jahrestag des Kodokan (1982), wurde eine weitere Gruppe von 8 traditionellen Würfen hinzugefügt und 17 neue Techniken wurden offiziell Kodokan Judo Würfe.1

s
Dai Ikkyo (1. Gruppe)
1. De Ashi BaraiAshi Wazafegen
2. Hiza GurumaAshi Wazablockieren
3. Sasae Tsurikomi AshiAshi Wazablockieren
4. Uki GoshiKoshi Wazaanheben
5. O soto GariAshi Wazawegreißen
6. O goshiKoshi Wazaanheben
7. O uchi GariAshi Wazawegreißen
8. Seoi NageTe Wazaanheben
Dai Nikyo (2. Gruppe)
1. Kosoto GariAshi Wazawegreißen
2. Ko uchi GariAshi Wazawegreißen2
3. Koshi GurumaKoshi Wazadrehen3
4. Tsuri Komi GoshiKoshi Wazaanheben
5. Okuri Ashi BaraiAshi Wazafegen
6. Tai OtoshiTe Wazakippen
7. Harai GoshiKoshi Wazaanheben
8. Uchi MataAshi Waza4wegreißen
Sankyo (3. Gruppe)
1. Kosoto GakeAshi Wazawegreißen
2. Tsuri GoshiKoshi Wazaanheben
3. Yoko OtoshiYoko Sutemi Wazakippen
4. Ashi GurumaAshi Waza5blockieren
5. Hane GoshiKoshi Wazaanheben
6. Harai Tsuri Komi AshiAshi Wazafegen
7. Tomoe NageMa Sutemi Wazaanheben
8. Kata GurumaTe Wazadrehen
Yonkyo (4. Gruppe)
1. Sumi GaeshiMa Sutemi Wazadrehen
2. Tani OtoshiYoko Sutemi Wazaanheben
3. Hane Maki komiYoko Sutemi Wazaanheben
4. Sukui NageTe Wazaziehen
5. Utsuri GoshiKoshi Wazaanheben
6. O GurumaAshi Waza5blockieren
7. Soto Maki KomiYoko Sutemi Wazadrehen
8. Uki OtoshiTe Wazakippen
Gokyo (5. Gruppe)
1. Uki WazaYoko Sutemi Wazakippen
2. O Soto GurumaAshi Waza5blockieren
3. Yoko WakareYoko Sutemi Wazakippen
4. Yoko GurumaYoko Sutemi Wazadrehen
5. Ushiro GoshiKoshi Wazaanheben
6. Ura NageMa Sutemi Wazaanheben
7. Sumi OtoshiTe Wazakippen
8. Yoko GakeYoko Sutemi Wazaanheben
Rokkyo (6. Gruppe)
1. Obi Otoshi  
2. Seoi OtoshiTe Wazadrehen
3. Yama Arashi  
4. O Soto Otoshi  
5. Daki Wakare  
6. Hikikomi Gaeshi  
7. Tawara Gaeshi  
8. Uchi Maki KomiKoshi Wazaanheben

Shinmeisho No Waza (neu eingeführte Techniken)
1. Morote Gari  
2. Kuchiki Taoshi  
3. Kibisu Gaeshi  
4. Uchi Mata Sukashi  
5. Dakiage  
6. Tsubame Gaeshi  
7. Kouchi Gaeshi  
8. Ouchi Gaeshi  
9. Osoto Gaeshi  
10. Harai Goshi Gaeshi  
11. Uchi Mata Gaeshi  
12. Hane Goshi Gaeshi  
13. Kani Basami  
14. Osoto Maki Komi  
15. Kawazu Gake  
16. Harai Maki Komi  
17. Uchi Mata Makikomi  

Die Standtechniken aus dem System Kawaishi

Das System Kawaishi nach der Lehrmethode von Mikinosuke Kawaishi ( 1899 - 1969 ), hat sich ebenfalls wie die Gokyo-no-kaisetsu ( Kodokan ) überall in Europa durchzusetzen vermocht und dient noch heute als eine sehr übersichtliche, zahlenmäßig geordnete Zusammenstellung der einzelnen, unabhängigen Wurfgruppen. Die Einteilung geschieht ebenfalls in 5 Gruppen, jedoch mit insgesamt 60, sich steigernden Wurf- und auch Bodentechniken. Mikinosuke Kawaishi ( 8. Dan ) war einer der ersten japanischen Judolehrer in Europa und lebte seit 1948 in Paris. Bekannt wurde er vor allem durch "sein" System der Judotechniken, einer "westlichen" Aufgliederung von Stand- und Bodentechniken.

1. Ashi Waza
1. O soto GariAshi Wazawegreißen
2. De Ashi BaraiAshi Wazafegen
3. Hiza GurumaAshi Wazablockieren
4. Ko soto GakeAshi Wazawegreißen
5. O Uchi GariAshi Wazawegreißen
6. Ko uchi GariAshi Wazawegreißen2
7. Okuri Ashi BaraiAshi Wazafegen
8. O Soto GurumaAshi Waza5blockieren
9. O Soto Otoshi  
10. Ko soto GariAshi Wazawegreißen
11. Sasae Tsurikomi AshiAshi Wazablockieren
12. Harai Tsuri Komi AshiAshi Wazafegen
13. Soto Gake  
14. Ko Uchi Maki Komi  
15. Ashi GurumaAshi Waza5blockieren
Koshi Waza
1. Uki GoshiKoshi Wazaanheben
2. Kubi Nage  
3. Tsuri GoshiKoshi Wazaanheben
4. Koshi GurumaKoshi Wazadrehen3
5. Harai GoshiKoshi Wazaanheben
6. Hane GoshiKoshi Wazaanheben
7. Ushiro GoshiKoshi Wazaanheben
8. Tsuri Komi GoshiKoshi Wazaanheben
5. Utsuri GoshiKoshi Wazaanheben
9. Uchi MataAshi Waza4wegreißen
10. O goshiKoshi Wazaanheben
11. Ko Tsuri GoshiKoshi Waza 
12. O GurumaAshi Waza5blockieren
13. Yama Arashi  
14. Obi Goshi  
Kata Waza
1. Kata Seoi  
2. Seoi NageTe Wazaanheben
3. Kata GurumaTe Wazadrehen
4. Seoi Otoshi  
5. Hidari kata Seoi  
6. Seoi Age  
Te Waza
1. Tai OtoshiTe Wazakippen
2. Uki Otoshi
Kubi Nage
Te Wazakippen
3. Hizi Otoshi  
4. Sukui NageTe Wazaziehen
5. Mochi age Otoshi  
6. Sumi OtoshiTe Wazakippen
7. Obi Otoshi  
8. Kata Ashi Dori  
9. Rio Ashi Dori  
Sutemi Waza
1. Tomoe NageMa Sutemi Wazaanheben
2. Yoko Tomoe  
3. Maki Tomoe  
4. Maki komi  
5. Yoko GakeYoko Sutemi Wazaanheben
6. Tani OtoshiYoko Sutemi Wazaanheben
7. Sumi GaeshiMa Sutemi Wazadrehen
8. Uki WazaYoko Sutemi Wazakippen
9. Kani Basami  
10. Yoko OtoshiYoko Sutemi Wazakippen
11. Hane Maki komiYoko Sutemi Wazaanheben
12. Ura NageMa Sutemi Wazaanheben
13. Yoko GurumaYoko Sutemi Wazadrehen
14. Yoko WakareYoko Sutemi Wazakippen
15. Tawara Gaeshi  

1Die Informationen darüber sind widerspüchlich. Auf kanadischen und amerikanische Judo-Servern wird dies so gesagt. In der deutschen Literatur und auf der Homepage des Kodokan findet sich nichts darüber. Da mir persönlich die Ansicht eines etwas reformierten und ausgebautem Judo gefällt, habe ich es hier so mit aufgenommen.
2 Es gibt noch eine Ausführung als Fege, diese wird jedoch Ko Uchi Barai genannt.
3 Hier streiten sich die Geister, ob das Prinzip Drehen oder Anheben ist.
4 Es gibt zwei verschiedene Auslegungen des Uchi-Mata. Dementsprechend müßte er eigentlich in zwei Würfe aufgeteilt werden, den Ashi- und den Koshi-Uchi-Mata. Diese gehörten dann auch in verschiedene Wurfgruppen.
5 Ich bin mir nicht im Klaren, warum der Ashi- und der O-Guruma in die Gruppe der Fußwürfe gerechnet wird. Für mich sind sie eher Hüftwürfe mit dem Wurfprinzip Drehen.

PS: Ein kurzes Wort wegen der auf dieser Seite zu findenden Bilder. Ja, die Bilder sind geklaut und ich weiß auch, daß dies nicht in Ordnung ist. Doch habe ich dafür mehrere Gründe.

  1. Die Ladezeiten der Originallinks ( Encino Judo Club ) sind in Deutschland entsprechend lange.
  2. Ich hab weder die Zeit, noch das Geschick solche Bilder selbst zu zeichnen!
  3. Warum muß man alles doppelt und dreifach machen, wenn es dieses schon gibt ?
  4. Ich finde alle im Internet vorhandenen Copyright Zeichen absolut affig, da man es ja sowieso allen zur Verfügung stellt.
Der Zeichner der Bilder mögen mir verzeihen und dafür meinen Respekt, meine Anerkennung und meinen persönlichen Dank im Namen aller, die Freude an diesen Bildern haben, entgegennehmen.