Meine eigenen Ansichten zur Selbstverteidigung
Einleitung
In der jetzigen Zeit, wo die Kriminalitätsrate durch die zunehmende Arbeitslosigkeit und Zukunftslosigkeit der Jugendlichen immer mehr steigt, ist es nur natürlich, das immer mehr Leute Angst haben, nachts auf die Straße zu gehen. Dies betrifft vor allem ältere Leute und Frauen. Aber auch junge Leute müssen die Erkenntnis machen, daß manchmal das Gesetz des Stärkeren auf unseren Straßen regiert. Ein schlechtes "Vorbild" sind hier unter anderem die vielen amerikanischen Fernsehfilme. Sie füttern die jungen Menschen mit der verhängnisvollen Idee, mit Gewalt könne man alles erreichen. Unterstützt wird diese Erkenntnis durch die an einigen Stellen deutlich sichtbare Ohnmacht unserer Polizei und Justiz. Diese und andere Gründe führen dazu, daß der Zulauf zu "Selbstverteidigungssportarten" immer mehr zunimmt. Dies ist ganz natürlich, da der Schutz der eigenen Person wichtig ist.
Ich möchte hier eine Einführung oder auch nur eine Hilfestellung geben. Sie ist gedacht für alle diejenigen, die eine Kampfsportart betreiben, die mit dem Gedanken spielen eine solche zu besuchen und vor allem auch für alle die, die sagen, sie können sowieso nichts machen, sie seien zu schwach und lehnen sowieso jede Art von Gewalt ab.
Für alle diese möchte ich nun kurz zusammenfassen wann, womit und wie man kämpfen sollte.
Wann kämpfen ???
Es gibt eine einfache Regel dafür, wann man kämpfen sollte.
Nämlich am besten niemals. Ich meine damit nicht, daß man bei allen gefährlichen Situationen weglaufen sollte oder sich grundsätzlich zu Hause unter dem Tisch verstecken sollte, sondern daß man in einer bedrohlichen Lage immer den Kampf erst einmal meiden und eine andere Lösung suchen sollte. Lieber laut um Hilfe ( FEUER! ) schreien und als Feigling gelten, als tot sein. ( Tip dazu : Leute die helfen könnten direkt ansprechen, wie : "Sie da im grünen Schlips ...")
Kein Selbstverteidigungssystem und erst recht kein Mensch ist vollkommen. Beachte immer, daß man seinen Gegner meist nicht kennst. Er kann aktueller Boxchampion sein, kann ein 20 cm langes Messer in der Tasche haben oder an einem Herzklappenfehler leiden.
Je öfter man kämpft, desto größer ist die Gefahr einmal zu unterliegen und vielleicht lebenslange Schäden davonzutragen oder einen Unschuldigen zu verletzen. Kein Geld, Auto oder ... ist es wert, dafür zu sterben.
Körperliche Gewalt sollte immer das letzte Mittel sein.
Erst wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind, sollte man sich zum Kampf rüsten.
Wenn Du dich selbst und den Gegner kennst, wirst Du in 100 Schlachten nicht verlieren.
Kennst Du Dich selbst, aber nicht den Gegner, so wirst mal Du und mal er gewinnen.
Kennst Du aber Dich selbst nicht, so ist der Untergang dir gewiß. |
| Sun Tsu |
Womit kämpfen ???
In einem Buch von Sensei Kernspecht ( WingTsung ), habe ich hierzu die wohl beste Antwort gefunden. Er antwortete auf die Frage nach dem besten Selbstverteidigungssystem : "Das Smith & Wesson System" !!!
Mit einer Schußwaffe umzugehen ist einfach zu lernen, sie ist schnell zur Hand und absolut tödlich.
Leider hat die Sache aber ein paar gewaltige Haken.
Da ist zum Beispiel das Problem des Transportes.
Die meisten Leute wollen nicht öffentlich mit einem Pistolenhalfter herumlaufen. Und in der Handtasche ist sie nicht gut untergebracht, da die Zugriffszeit im Notfall zu hoch ist, man sie nicht mit hat ( oder einem durch die Aufregung aus der Hand fällt ) oder im schlimmsten Fall der Angreifer unser hektisches Wühlen in der Handtasche richtig deutet.
Als zweites sehe ich die große Gefahr, daß man ihnen die Waffe wegnimmt und sie gegen sie selbst richtet.
Aber das größte Problem, ist nicht die Handhabbarkeit, sondern die sinkende Hemmschwelle und der starke Nachahmungseffekt auf der Angreiferseite. Hat dieser zu seinem Leidwesen einmal in eine Mündung eines Revolvers sehen müssen, so wird er vielleicht beim nächsten mal selbst eine Waffe einstecken haben und dann Gnade ihnen Gott, wenn sie eine Zehntelsekunde zu langsam sind.
Aus diesen Gründen lehne ich ( Sensei Kernspecht ebenfalls ) dieses System und alle anderen Waffen wie Messer, Tränengas, Elektroschocker, ... ab. Wer ernsthaft anderer Meinung ist und diese Gründe nicht akzeptiert, dem rate ich einerseits sich die Statistik der Todesfälle in den USA anzusehen und anderseits sich mal von einem Psychiater untersuchen zu lassen. Das klingt hart, aber gegen einen Angriff mit einer Pistole oder einem Messer kann man sich nicht verteidigen. Ich höre jetzt schon die Dementis von x,y oder z. Aber wie eigene, praktische schmerzhafte Versuche
mit Judo-, Karate-, WT-, ... -kämpfern ( auch Meistern ) bestätigen, stehen die Chancen dabei sehr schlecht.
Womit also dann ???
Am besten mit bloßen Händen und einer entsprechenden Kampfsport- oder noch besser Selbstverteidigungsart. Und welche ???
Das kommt darauf an, wie alt sie sind, wie schwer und groß, wieviel Zeit sie haben und noch einiges mehr.
Grundsätzlich würde ich erst mal zu allem raten, was explizit auf Selbstverteidigung ausgelegt ist ( Judo-Inyo-Ryu, WingTsung, JuJutsu, Boxen, etc. ).
Aber auch alle anderen Kampfsportarten eignen sich dazu, es kommt nur darauf an, wie gut man wird.
Wenn man 10 Jahre Zeit hat und genügend Ehrgeiz, so ist Aikido ( das ich sehr verehre ) anzuraten.
Bei 5 Jahren ist JuJutsu eine gute Variante. Bei einem Jahr oder weniger WingTsung oder Inyo-Ryu. Hat man allerdings nur 2 Tage Zeit, dann sollte man die Variante mit der Pistole doch in Betracht ziehen.
Für wichtig halte ich den Kontakt beim Kämpfen.
( Faust- und Tiefschützer sind anzuraten ).
Bei Kampfsportarten die Schläge und Tritte immer kurz vor dem Körper abstoppen, ist die Gefahr groß, daß der Schüler weder Präzision, noch die entsprechende Kraft des Schlages entwickelt. Weiterhin fehlt hier die wichtige Erkenntnis des Schmerzes, den ein solcher Schlag/Tritt entwickelt. Wer einmal einen Tritt in die Magengrube bekommen hat, der wird diese empfindliche Stelle beim nächsten Mal schützen. Dies ist für eine effektive Verteidigung sehr wichtig. Man lernt dabei auch, seine Schläge und Tritte zu kontrollieren, so das Unfälle
der Art "Ich hab aus versehen getroffen" selten werden. Bei einer solchen "Prügelei" stellen sich übrigens untaugliche Angriffs- und Verteidigungstechniken sehr schnell heraus, so das man nichts unnützes lernt. So lehne ich z.B. viele Karatetechniken schlichtweg ab. Ihre starren Blöcke sind durch Schwinger leicht zu umgehen, viel zu langsam und die zurückgezogene Schlaghand bildet keine so wichtige zweite Verteidigungslinie. ( Zur Ehrenrettung der Karateka muß ich sagen, daß Funakoshi hier ein
geistiges Prinzip verwirklicht hat und das die Karate Kata's spitzenmäßig aussehen ).
Wenn Du dich gut verteidigst, wird dein Gegner nicht wissen wie er angreifen soll
und wenn Du gut angreifst, wird er nicht wissen wie er sich verteidigen soll. |
| frei nach Sun Tsu |
Wie kämpfen ???
Es gibt darauf nur eine Antwort, mit aller Konsequenz. Du bist im Recht, hast alle Möglichkeiten ausgeschöpft den Kampf zu vermeiden. Dein Gegner muß nun die Konsequenzen seines Tuns tragen. Kämpfe um dein Leben. Kämpfe immer bis dein Gegner selbst kampfunfähig ist, dir Hilfe zuteil wird oder Dir eine sichere Fluchtmöglichkeit offensteht.
Brich lieber deinem Gegner den Arm ( er wird es überstehen ), als das er das Messer wieder aufheben kann. Ramme lieber deine Absatzschuhe in seinen Fuß, als das er Dir nachlaufen kann.
Bleib nicht stehen, wenn er am Boden liegt. Lauf ! Du kannst die Polizei/Krankenwagen von der nächsten Gaststätte/Telefonzelle (etc.) holen.
Renn deinem Gegner nicht hinterher.
| It isn't the size of the dog in the fight,
it's the size of the fight in the dog that counts.
|
|---|
In einem solchen Kampf, der ohne Regeln geführt wird, spielen außer der Körperkraft oft psychologische Einflüsse eine große Rolle. Lässt Du es zu, daß dein Gegner sich auf den Kampf vorbereitet und er dich vorher schon erniedrigt, dir Angst einjagt oder dich überrascht, so hast du schon fast verloren. Jeder kennt den Ausdruck "gelähmt vor Angst". Viele Schläger nutzen dies aus. Je mehr sie dich beleidigen, dich rumschubsen, dich in die Ecke treiben, desto mehr wird ihr Adrenalinspiegel steigen, sie
berauscht sein von ihrer Macht und desto kleiner wirst du. In einer Situation, in der voraussehbar ist, daß es zum Kampf kommen wird, sollte man sich deshalb nicht in die Rolle des Opfers zurückziehen. Man sollte dem Gegner diese Möglichkeit nehmen, indem man ihn entweder mit seinen eigenen Waffen schlägt und ihn beleidigt oder selbst angreift. Ersteres klappt allerdings nur, wenn er vor anderen den großen Mann spielen will. Im zweiten Fall sollte man zeigen, daß man keine Angst hat ( so schwer das auch fällt ) und ihm etwas in der
Art "Halts Maul oder ich schlag zu" entgegenschleudern und wenn das wirkt, sich umdrehen und gehen.
Wenn es nun doch zum Kampf kommt, was ist dann wichtig ?
Ein schnell und ohne Ausholbewegung geführter gerader Schlag ist in ungefähr 0.2s im Ziel. Das menschliche Auge braucht ungefähr 0.15s um zu erfassen, was da passiert. Um zu beurteilen was jetzt angebracht ist, braucht das Gehirn ungefähr 0.2 - 1.0s und um dann noch die richtigen Muskeln in Bewegung zu setzen ( also kein unkontrolliertes Zucken ) sind nochmal 0.1s vonnöten.
Das ergibt eine Abwehrzeit von rund 0.5s. Selbst bei Leuten, die von sich behaupten, sie bräuchten nicht mehr zu denken bei der Anwehr, macht sich die Faust schon 0.1s im Gesicht breit, bevor die Abwehr kommt. Also ist Verteidigung unmöglich ???
Nein das ist nicht so und dafür gibt es drei Gründe.
Erstens die Deckung. Beide Hände müssen nach vorn und in die direkte Schlaglinie, um solche Schläge zu verhindern.
Zweitens kann man den Händen angewöhnen ohne den Umweg zum Gehirn zu reagieren, wie dies zum Beispiel beim Anfassen einer heißen Herdplatte der Fall ist. Dazu müssen die Hände/Arme aber wiederum vorn sein, um den Berührungsreiz auszulösen.
Und drittens Antipation. Dies bedeutet den Angriff schon vorher zu erkennen, an den Zuckungen der Muskeln, am Gesichtsausdruck des Gegners oder einfach weil es jetzt der einzig sinnvolle Angriff wäre. Sieh dir einmal einen Boxkampf an und du wirst feststellen, wie wichtig diese Eigenschaft ist.
Um die beiden letzten Eigenschaften zu erlernen, gibt es nur eine Möglichkeit.
ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN !
Und das möglichst mit Kontakt, um die Stellen kennenzulernen, wo der Gegner und man selber empfindlich ist und um abzuhärten.
Das Letzte was ich euch mit auf den Weg geben möchte, ist: selbst wenn ihr pazifistisch eingestellt seid, niemals nur verteidigen !!! Mit einer reinen Abwehr beseitigt ihr die Gefahr für euch nicht. Wenn Du einen entschlossenen Gegner vor Dir hast, wird der selbst nach 100 mißglückten Angriffen nicht die Lust verlieren und solange auf Dich einstürmen bis er sein Ziel erreicht hat. Eine kleine Unaufmerksamkeit reicht.
Zusammenfassung
- Kampf nur als letzte Maßnahme
- Keine Waffen benutzen
- Nicht runtermachen lassen und keine Angst zeigen
- entschlossen und mit aller Konsequenz kämpfen
- Kampf erst beenden, wenn die Gefahr vorbei ist
- auf Situation vorbereiten und immer wieder üben
- Verteidigung und Angriff üben
- möglichst eine Selbstverteidigungsart lernen ( mit Kontakt )
Spezielle Informationen zur Frauen-Selbstverteidigung.
Diskussionen oder Anregungen gern an Roland Jentsch.