Sportverletzungen im Judo und deren Behandlung

Bevor hier weiter über Verletzungen gesprochen wird, ein Wort voraus. Dem Sport als solchem kommt eine nicht unwesentliche Rolle in der Vorbeugung von Erkrankungen zu. Viele Beschwerden gerade des Bewegungs- und Herz/Kreislaufapparates können dadurch bis ins hohe Alter hinein vermieden werden. Natürlich ist nicht nur das, sondern auch der Spaß und die Freude daran ein Grund für den großen Prozentsatz der Bevölkerung, die aktiv Sport treiben. Doch ob es sich nun um Freizeit-, Breiten- oder Leistungssportler handelt, Verletzungen sind hier, wie auch beim Judosport an der Tagesordnung. Vor allem mangelnde Wurf- und Falltechniken, Fehlverhalten im Kampf und zu harte ( bzw. unfaire ) Kampfweise führen schnell einmal zu Verletzungen. Diese Mängel sollten deshalb als erstes abgestellt werden. Doch auch ohne diese Gründe kommt es immer mal wieder zu Verletzungen. Dies nicht zuletzt deswegen, weil den meisten einfache Vorbeugungsmaßnahmen nicht bekannt sind, sie außerdem keine kompetenten Ansprechpartner haben, oder kein Wissen über die Behandlung der Verletzungen besitzen. Deshalb wird häufig herumgedoktert oder gleich gar nichts getan und somit die Verletzung weiter verschlimmert.
Um allen wenigstens eine Möglichkeit zur Erkennung und ersten Hilfe bei Verletzungen zu geben, entstand diese Seite. Sie ist kein allgemeingültiges Werk und ersetzt keinesfalls die Beratung und Behandlung durch einen kompetenten Sportarzt (kein Allgemeinmediziner!!!), aber sie soll doch eine Einführung in Behandlungsmöglichkeiten geben. Zuerst werden die verschiedenen Verletzungsarten und deren Behandlung allgemein vorgestellt, anschließend soll noch einmal auf besonders häufige Verletzungen im Judosport näher eingegangen werden.

Zuerst eine Grundregel für Dinge die dick werden, bei der man nicht allzuviel schadet :

  1. kühlen (10 min fliessend kaltes Wasser)
  2. hochlegen
  3. ruhigstellen
  4. Druckverband


Inhaltsverzeichnis


Allgemeine Verletzungsarten

Muskelverletzungen

Sie sind die häufigste Form der Sportverletzungen überhaupt. Wegen ihrer guten Heilung besteht jedoch gerade im Amateursport das Risiko, daß diese unzureichend oder überhaupt nicht behandelt werden. Dies kann zu bleibenden Schäden führen.

Muskelzerrungen

Treten meist dann auf, wenn der Sportler entweder trainingsüberlastet ist oder keine ausreichende Erwärmung mit anschließender Dehnung durchgeführt hat. Bei der Zerrung überdehnen einzelne Muskelfasern, ohne daß der Muskel in seiner Gesamtheit und Funktionalität beeinträchtigt wird.
Charakteristisch ist ein zunehmender, ziehender Schmerz im entsprechenden Muskel während der Belastung. Beim Erkennen sollte der Betroffene sofort die sportliche Betätigung einstellen, um Schlimmeres zu verhüten. Beim Untersuchen findet man einen Druck-, Dehn- und Anspannschmerz im betroffenem Muskel. Der Verletzungsort sollte sofort gekühlt werden (~ 1/2 Stunde lang). Später ist das Anlegen eines muskelentlastenden Verbandes in Verbindung mit einer durchblutungsfördernden Salbe angebracht. Sollte sich eine Muskelverhärtung ergeben, dann sollte nach 2-3 Tagen mit einer vorsichtige Massage der umgebenden Muskulatur (nicht der verletzten Stelle) und einer Dehnung des Muskels begonnen und weitergeführt werden. Die Sportfähigkeit sollte nach einer Woche wieder erreicht sein.

Muskelfaserrisse

Die auslösenden Faktoren sind ähnlich wie bei einer Muskelzerrung. Nur ist die Ausprägung größer oder es wurde nach einer Zerrung weitertrainiert. Es zerreißen größere Muskelfaserteile, wobei eine tastbare Delle und immer ein Bluterguß mitentsteht. Dieser muß aber nicht immer sichtbar sein, da er auch mitten im Muskel auftreten kann. Charakteristisch bei dieser Verletzung ist ein stechender Schmerz, der eine sofortige Unterbrechung der sportlichen Tätigkeit notwendig macht. Auch hier stellt sich ein lokaler Druck-, Dehn- und Anspannschmerz ein. Die Behandlung erfolgt wie bei einer Muskelzerrung, nur sollte eine Dehnbehandlung frühestens nach einer Woche und eine sportliche Tätigkeit frühestens nach 2-3 Wochen wieder aufgenommen werden.

Muskelrisse

Muskelrisse ( komplett oder teilweise ) erfolgen gehäuft am Ursprung oder Ansatz der Muskulatur, am Knochen. Charakteristisch ist wie beim Muskelfaserriß ein messerscharfer Schmerz im Muskel. Bei reinen Sehnenrissen (Achillessehne) kann jedoch auch ein schmerzloser "knallender" Riß auftreten. Bei dieser Art Verletzung ist eine Behandlung durch einen Arzt, eventuell auch eine Operation, unumgänglich. Ob operiert werden muß oder nicht hängt in vielen Fällen vom Umfang der Verletzung bzw. Dringlichkeit der Genesung ab, da die Verletzung meist auch ohne Eingriffe gut ausheilt ( je größer die Verletzung ist und je schneller die Verletzung heilen soll, desto mehr ist eine Operation anzuraten ). Da bei Muskel- oder Muskelfaserrissen nur eine Defektheilung stattfindet (also eine Bildung von Narben im Muskel), ist es notwendig, daß nach der Ausheilung der Muskulatur diese intensiv gedehnt wird. Dies ist notwendig, um das Narbengewebe wieder elastisch zu machen und einer Verkürzung des Muskels (Gefahr einer weiteren Verletzung) vorzubeugen.

Muskelverhärtungen

Die Ursache dieser isolierten Verspannung ist häufig eine Fehl- oder Überbelastung der entsprechenden Muskeln. Charakteristisch ist eine tastbare druckempfindliche Verhärtung, wobei der Schmerz auch ausstrahlen kann. Auch diese Art der Verletzung sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da ein längeres Ignorieren Schäden in der umgebenden Muskulatur auslösen kann. Massage (eventuell Wärmeanwendung) stellt hier die beste Behandlung dar.

Muskelprellungen

Diese bekannte Form der Muskelverletzung (Pferdekuß, Mucki) entsteht bei stumpfer Gewalteinwirkung auf den Muskel. Entstehen dabei keine weiteren Verletzungen (Muskelfaserriß), ist nach Abklingen des eintretenden Schmerzes und einer sofortigen Kühlung mit zusätzlicher Dehnung kaum eine weitere Beeinträchtigung zu erwarten. Beachtenswert ist hierbei, daß bei großflächiger äußerer Einwirkung die Prellung auch im inneren des Körpers (am Knochen) auftreten kann, was die Diagnose und Behandlung der Verletzung erschwert.

Muskelbrüche

Diese seltene Art der Muskelverletzung ist durch eine schmerzlose Muskelwulst unter der Haut erkennbar. Es handelt sich hierbei um ein einreißen der muskelumspannenden Haut, die durch stumpfe Gewalteinwirkung auftreten kann. Eine Behandlung ist nur bei auftretenden Beschwerden oder größeren Rissen notwendig.

Muskelkater

Muskelkater entsteht durch Überbelastung. Er tritt ein oder zwei Tage nach der Belastung, häufig nach einer Trainingspause oder bei ungewohnter Belastung auf. Die Ursachen sind entgegen allen Meinungen auch heute noch nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt. So sind die (aus dem Schulunterricht bekannte, aber wahrscheinlich falsche) Milchsäurebildung, die Bildung feinster Muskelfaserrisse und weiteres als Ursache im Verdacht. Eine weitere Trainingsausführung ist jedoch nach wie vor als bestes Gegenmittel anzusehen. Zusätzlich empfehlen sich durchblutungsfördernde Maßnahmen wie Wechselduschen, Wassertreten, etc. Zu beachten ist dabei jedoch, daß ein Muskelkater in allen Fällen ein Zeichen für eine trainingsbedingte Überbelastung ist und dem auch Rechnung getragen werden sollte.

Sehnenverletzungen

Sehnengewebe gehört zum wenig durchbluteten Gewebe im Körper und führt bei einer Verletzung zu einer recht langsamen Heilung. Schon im Alter von 25 - 30 Jahren verschlechtert sich die Blutversorgung zusätzlich. Dies führt zu einer Minderung der Reißfestigkeit, was durch entsprechendes Training ausgeglichen werden sollte. Eine zusätzliche Belastung und meist den auslösenden Faktor stellt eine verkürzte Muskulatur dar. Typische Schäden sind: Charakteristisch ist bei allen (natürlich außer dem akuten Riß) ein Anlauf-, Belastungs- und Druckschmerz, eventuell mit lokaler Verdickung. Außer einer Ruhigstellung und Kühlung, ist eine Muskeldehnung und Kräftigung des Antagonisten angebracht. Es sollte jedoch immer auch ein Arzt aufgesucht werden.

Knorpel- und Knochenbrüche

Diese Verletzungen treten normalerweise nur bei grober Gewalteinwirkung oder dauerhafter und starker Überbelastung auf (Ermüdungsbrüche). Sie erfordern eine sofortige Ruhigstellung und gehören sofort in die Hände eines erfahrenen Arztes. Jegliche Selbsttherapie ist hier zu unterlassen, da meist mehr Schaden als Nutzen angerichtet wird und nichtabsehbare Spätfolgen eintreten können.

Gelenkverstauchungen

Verstauchungen treten meist bei einem unnatürlichen Bewegungsablauf (also umknicken, scheren) auf. Charakteristisch ist ein sofortiger Schmerz mit zunehmender Schwellung und Blutergußbildung. Nicht selten tritt das wahre Ausmaß der Verletzung erst nach Stunden oder am nächsten Morgen zu Tage. Bei der Verstauchung kommt es zu einer Zerreißung des Unterhautgewebes und zusätzlich treten meist noch Schäden an der Gelenkkapsel und an den Bändern (Dehnung, Riß) auf. Das wahre Ausmaß einer solchen Verletzung kann nur ein erfahrener Mediziner feststellen. Damit ist eine Einschaltung des Arztes immer zu empfehlen. Dabei sollte unbedingt (eventuell auch durch den Verletzten) eine Röntgenaufnahme gefordert werden. Beim Auftreten sollte das betroffene Gelenk unbedingt gekühlt werden. Auch im weiteren Verlauf der Behandlung ist mehrmals täglich ein Kühlung von über einer halben Stunde zu empfehlen. Zusätzlich dazu sind gelenkentlastende Kompressions- oder Stützverbände, Salben und wechselwarme Bäder anzuraten. Gips ist nur als letzter Ausweg zu empfehlen, da sich dadurch die Behandlungszeit erheblich verlängert. Die Sportfähigkeit ist meist nach 1-2 Wochen wieder hergestellt, wobei leichte Restbeschwerden ( Stützverband tragen ) noch lange Zeit, eventuell Monate bestehen können. Es sollte darauf geachtet werden, daß die haltenden Muskeln entsprechend trainiert werden, um das Gelenk zusätzlich zu stützen.

Schleimbeutelerkrankungen

Schleimbeutel finden sich überall dort, wo Weichgewebe (Haut, Muskeln, Sehnen) geschützt werden müssen, also zum Beispiel vor der Kniescheibe oder am Knöchel. Durch Schlag oder Stoß reißt die Wand des Schleimbeutels ein, es kommt zu einer starken Schwellung und einem ausgeprägten Belastungschmerz. Charakteristisch dafür ist auch ein schneeartiges Knirschen beim Drücken der Schwellung. Behandelt werden sollte die Verletzung durch eine Ruhigstellung im entlastenden Verband, Salbe und mehrmals tägliches Kühlen (~1/2 Stunde). Durch wiederholte Reizung kann auch eine chronische Form entstehen. Dann sollte als erstes der chronische Reiz beseitigt werden. Spätestens nach 4 Wochen sollte dann die Erkrankung ausgeheilt sein.

Spezielle judotypische Verletzungen

Obere Extremitäten

Symptome 1.Hilfe Prophylaxe Trainingspause
Verstauchung und Verrenkung von Finger- oder Handgelenk
Schmerzhafte Schwellung
Funktionsbehinderung
spindelartige Auftreibung der Gelenkkapsel
Kälteanwendung
Fixierung des verletzten Fingers am benachbarten, gesunden Finger
Bandagierung gefährdeter Fingergelenke
Fingerkräftigung
Finger : 4 Wochen
Hand : 1 Woche
Prellung und Hautabschürfung des Ellenbogens
Weichteilschwellung
Funktionsschmerz
Knorpelödem, Schleimbeutelerguß
kühlender Verband
Ruhigstellung mit Judogürtel oder ähnlichem
Falltechnik verbessern
gepolsteter Ellenbogenschutz
keine Belastung bei Knorpelödem
bei wiederholtem Auftreten unbedingt einen Arzt aufsuchen
1 Woche
Verstauchung des Ellenbogengelenks
Schmerz mit Funktionsbehinderung
stärkerer Schmerz bei Bewegung nach Ruhigstellung
kühlender Verband
Ruhigstellung mit Judogürtel oder ähnlichem
bei Armhebel rechtzeitig abklopfen
Fallschule verbessern
1 Woche
Schulterverletzung
Schmerz mit Funktionsbehinderung
Schwellung
deformierte Schulterkontur
kühlende Umschläge
Ruhigstellung mit Judogürtel oder ähnlichem
technisch sauberes Werfen
Fallschule verbessern
1 Woche


Untere Extremitäten

Symptome 1.Hilfe Prophylaxe Trainingspause
Verstauchung oder Prellung der großen Zehe
Schmerzhafte Schwellung
eingeschränktes Abrollen
Druckgefühl
Kühlung
Druck- und später Stützverband
ordnungsgemäße Matte
Fußschutz
2 Wochen
Meniskusverletzung (Drehung im Knie) oder Seitenbandverletzung (seitliche Gewalteinwirkung am Knie)
Schmerz
Schmerz beim in die Hocke gehen
Anlaufschmerz
Bewegungssperre
Druckschmerz im Gelenkspalt
Kühlung
Ruhigstellung
elastischer Verband
bessere Fallschule
Knieschoner
keine weiche Tatami
isometrisches Krafttraining
mind. 2 Wochen
Knieprellungen
spontaner Schmerz
eventuell Schwellung
Kühlung
bei Schwellung leichter Druckverband
vorsichtiges Bewegen
Knieschoner bei Schwellung 2 Wochen


Brust und Wirbelsäule

Symptome1. HilfeProphylaxeTrainingspause
Rippenprellung, Rippenfraktur
SchmerzStützverband in Ausatmungsstellungverbesserte Fall und Wurftechnik, keine rücksichtslose Kampfweise
Muskelzerrungen ( häufig äußere schräge Bauchmuskulatur )
Schmerz am MuskelursprungKühlungintensives Aufwärmen, keine Überanstrengung
Hodenprellung
heftiger Schmerz, Übelkeit, SchwellungSitzenden hochheben und wieder auf das Gesäß fallen lassen, dosierte Schläge mit der Handkante in die untere Lendengegendsauberer Wurf (Uchi Mata, Tomoe Nage), Tiefschutz
Prellung der Halswirbelsäule
Schmerz, Gefühl der Bewegungseinschränkung, Ausstrahlung des Schmerzes bis in den Kopf oder Schulter, Muskelverhärtung, SchiefhalsLagerung auf harter Unterlage, Halskrawatte, Wärmeanwendung, unbedingt Arzt aufsuchensaubere Würfe1 - 2 Wochen
Prellung der Brustwirbelsäule
Atemnot, Schmerz und Funktionsbehinderungkühlen, flache Lagerung
Verstauchung der Wirbelsäule
stechender Schmerz, Schmerzausstrahlung, SchonhaltungKühlungkeine Abwehr mit Handballen, saubere Wurftechnik, Hohlkreuzbildung vermeiden


Kopfbereich

Symptome1.HilfeProphylaxe
Nasenbluten
halt NasenblutenBlutstillung in sitzender Haltungvorsichtige Kampfweise
Ohrhämatom
Schmerz, Schwellung, RötungKühlung, Kompressionsverband für 12 h, bei Schwellung Arzt innerhalb kürzester Zeit !!! sonst BlumenkohlohrOhrschutz, kein Bodenkampf
Kopfplatzwunde
Schmerz, Blutung durch RißBlutstillung, steriler Verband, nähen lassen
Schädel-Hirn-Trauma
Bewußtseinsstörung, Übelkeit, SchwindelgefühlRückenlage, bei Bewußtlosigkeit stabile Seitenlagekeine unfaire Kampfweise, saubere Techniken
Bewußtseinsverlust durch Würge
Bewußtlosigkeit, Schwindelgefühlkurze Schläge auf die Wange, kurzer Druck auf Brust, Beinhochheben, Atembewegungen im Sitzen nachmachenrechtzeitiges Abklopfen, bessere Kampfrichter


Spezielle judotypische Fehlbeanspruchungen

Obere und untere Extremitäten

Erkrankungen : Prophylaxe :

Brust und Wirbelsäule

Erkrankungen : Prophylaxe :