Genetische Zuchtforschung beim Schafpudel

Frau Mechthild Jennissen-Tibbe (schafpudel.de) züchtet seit 2001 Schafpudel und ist Autorin des nebenstehenden Buches. Gemeinsam mit Frau Nina Borzner (schafpudel-ninaborzner.de) ist Sie Partnerin in unserem Forschungsprojekt zur Aufklärung genetischer Ursachen von Zuchtmakeln. Der Schwerpunkt liegt gegenwärtig in der Suche nach genetischen Markern für den Hodenhochstand (Kryptorchismus).
Professor Röbbe Wünschiers ist habilitierter Genetiker an der Hochschule Mittweida und forscht auf dem Gebiet der Erbgutanalyse. In seinem Buch Gentechnik – Gene lesen, schreiben und editieren geht es um eine knappe Übersicht über die Anwendung der Gentechnologie. Es soll als Einführung für eine zeitgemäße öffentliche Diskussion zur Gentechnologie und ihrer Anwendung, der Gentechnik, dienen (sie auch: gene-genome-gesellschaft.de). Obwohl es bei unserer Zuchtforschung beim Schafpudel nicht unmittelbar um Gentechnik geht, sei es als einführende Lektüre zum Verständnis unser Arbeit (Stichwort: Gendiagnostik) empfohlen.

Partner

Ereignisse

04/2023 Nils Schön führt weitere genetische Analysen im Rahmen seiner 2023 beginnenden Promotionsarbeit durch.
01/2023 Robert Leidenfrost schließt seine Promotion zur molekulargenetischen Analyse von Bioaerosolen erfolgreich ab. Robert war von der ersten Stunde des Schafpudelprojektes dabei und ist nach wie vor ein wichtiger Denkpartner. Wir gratulieren!
11/2022 Tom Fritzsche schließ seine Masterarbeit mit dem Thema Hybride Genom-Assemblierung des Schafpudelgenoms ab.
07/2022 Chloé Aujoulat von der Université Lyon in Frankreich schließt in unserer Arbeitsgruppe ihre Masterarbeit mit dem Thema Detection and Evaluation of Sequence Variations in the Sheep Poodle Genome ab.
12/2021 Nils Schön schließt seine Masterarbeit mit dem Thema Genetic variant analysis of German Sheep Poodle with focus on cryptorchidism ab.
01/2020 Die Leipziger Firma GENEWIZ unterstützt uns bei der Sequenzierung des Schafpudelgenoms.
10/2019 Ein Radiointerview mit Heike Leschner vom MDR und eine Möglichkeit unsere Forschung am Schafpudel zu unterstützen gibt es hier.
10/2019 Ein Beitrag in der Freien Presse findet sich hier.
07/2019 Für unsere Kooperation mit dem Institut für ganzheitliche Zucht in Oberseifersdorf wurden wir für den Sächsischen Transferpreis 2019 nominiert. Ein Interview dazu findet sich hier.
08/2019 Rebecca Prause schließt ihre Masterarbeit mit dem Titel Nanopore sequencing of cryptorchidism associated genes for identification of genetic variants in German Sheep Poodle ab.
08/2017 Rebecca Prause legt mit ihrer Bachelorarbeit zum Thema Identifizierung genetischer Variationen als Ursache von Kryptorchismus bei Schafpudeln die Grundlage für das Projekt.

Das Projekt: Kryptorchismus bei Hunden

Kryptorchismus oder zu deutsch Hodenhochstand betrifft je nach Hunderasse bis zu 10% aller Welpen. Besonders gefährdet sind kleine und reinrassige Tiere, darunter auch Ihre geliebten Schafpudel.

Citizen Science in Mittweida

Kein Output ohne Input – Wir sind dankbar, dass Schafpudelbesitzer europaweit unsere Forschung unterstützen. Für die Kooperation zwischen unserem Labor und den Züchtern rund um Frau Jennissen-Tibbe wurden wir 2019 für den futureSAX Transferpreis nominiert.

Was ist Kryptorchismus?

Während der Entwicklung der Hunde bilden sich die Hoden im Unterleib und senken sich dann im Normalfall in den ersten Wochen nach der Geburt in den Hodensack. Der Grund, warum die Hoden nicht im Inneren des Körpers verbleiben, ist ein einfacher: Temperatur. Eine Körpertemperatur von 35-38°C würde sie schädigen. Durch Fehler in der Entwicklung kann es allerdings vorkommen, dass ein oder beide Hoden im Bauch verbleiben, was schwerwiegende Auswirkungen auf den Hund bzw. seine Nachkommen haben kann.


Mögliche Auswirkungen von Kryptorchismus.

Erkrankte Hunde sind in vielen Fällen unfruchtbar und besitzen ein 13,6-fach höheres Risiko für Krebserkrankungen. Sie leiden häufig unter anderen Nebenerscheinungen wie Haarlosigkeit, Hautkrankheiten, Verhaltensstörungen und Hodentorsionen, die sehr starke abdominale Schmerzen verursachen können. Um diese Risiken zu senken und eine Vererbung auszuschließen, wird eine Kastration durchgeführt, die allerdings sehr teuer ausfallen kann.

Leider sind Untersuchungen der Krankheit – die Ihren und vielen anderen Hunden helfen könnten – relativ rar. Obwohl bekannt ist, dass die Krankheit durch verschiedene innere (z.B. Gene, Hormone) und äußere Faktoren (Umwelt) ausgelöst wird, gibt es kaum genauere Einzelheiten darüber, was es umso schwieriger macht, die Krankheit zu behandeln.

Mit Ihrer Hilfe wollen wir dies ändern.

Ihr Beitrag

Zusammen mit Ihrer Hilfe wollen wir einen Gentest für Kryptorchismus und weitere Erkrankungen entwickeln.

Ziele der Untersuchung

Ausgehend von einer Blutprobe eines Tieres soll festgestellt werden, ob genetische Auffälligkeiten vorliegen, die das Risiko für die Erkrankung maßgeblich erhöhen.

Um so einen Gentest zu entwickeln sind allerdings viele Daten nötig - und hier kommen Sie ins Spiel.

Was bedeutet das für Sie und Ihren Hund?

Für unsere Untersuchung brauchen wir lediglich eine Blutprobe Ihres Hundes, die uns ein/e Tierarzt/Tierärztin Ihres Vertrauens zusendet.

Unsere Methoden

Aus den Blutproben gewinnen wir zunächst die DNA Ihres Hundes. Um die Auswirkungen von Kryptorchismus zu untersuchen, haben wir in aufwendigen Vorarbeiten einige vielversprechende Gene (Abschnitte auf der DNA) ausgewählt. Mit einer Methode namens Polymerase-Kettenreaktion (PCR) werden diese Gene vervielfältigt werden und anschließend ihr Aufbau untersucht (DNA-Sequenzierung).


Der Weg von der Blutprobe zur genetischen Analyse.

Die Gene von gesunden und kranken Hunden werden dann miteinander verglichen, um die Unterschiede und demnach mögliche Krankheitsauslöser zu identifizieren. Für diese Durchführung sind viele verschiedene Proben notwendig, um konkrete Aussagen treffen zu können.

Gegenwärtig arbeiten wir an einer Erweiterung der Methode, um noch mehr genetische Information in die Analyse einfließen zu lassen. Bei dieser genomweiten Assoziationsstudie werden nicht nur einzelne Kandidatengene, sondern im Genom des Schafpudels verteilte informative Positionen untersucht.


Der Weg vom Genom über Assoziationsstudien zu genetischen Markern.

Wer sind wir?

Wir sind Wissenschaftler an der Hochschule Mittweida in Mittelsachsen. Unser Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Röbbe Wünschiers hat an der Universität zu Köln in Genetik habilitiert und ist Spezialist bei der Analyse von Erbgutinformationen. Nils Schön ist aktuell der Leiter des Schafpudelprojektes. Nach Abschluss seiner Masterarbeit zur Untersuchung von genetischen Varianten, die mit Kryptorchismus in Verbindung stehen könnten, hat er 2023 seine Promotion begonnen. Darin führt er diese Arbeit fort.


Züchter:innen und Wissenschatler:innen, jung wie alt, arbeiten Hand in Hand.

Dr. Robert Leidenfrost war Doktorand in der Gruppe von Professor Wünschiers und analysierte eigentlich die DNA in Bioaerosolen. Er unterstützte das Projekt mit Rat und Tat. Im Januar 2023 hat er seine Promotion abgeschlossen und arbeitet seither bei der Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz in Berlin. Frau Rebecca Prause studierte in Mittweida den Bachelorstudiengang Biotechnologie mit der Fachrichtung Molekulare Diagnostik und anschliessend den Masterstudiengang Molekularbiologie/Bioinformatik. Sie hat in ihrer Bachelorarbeit die Grundlagen für dieses Projekt gelegt. In ihrer Masterarbeit validierte Sie die zuvor identifizierten Marker auf Basis vieler Blutproben von Schafpudeln aus ganz Europa und den damit verbundenen Zuchtdaten des Instituts für ganzheitliche Zucht von Schafpudeln und PON im sächsischen Oberseifersdorf. Seit ihrem Studienabschluss im Jahr 2019 arbeitet sie an der Technischen Universität in Dresden. Herr Tom Fritsche hat im Rahmen seiner 2022 abgeschlossenen Masterarbeit Analysen zum Genom des Schafpudels durchgeführt und damit eine wichtige Basis für weitere Untersuchungen gelegt.

Bei Interesse oder Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: roebbe.wuenschiers@hs-mittweida.de